Lean Startup für Alle! 4 Jahre Lean Startup Machine München

Vier Tage sind seit dem Wochenende und der letzten Lean Startup Machine München 2015 vergangen – und auch für uns als Organisatoren war es ein tolles Erlebnis. Nachdem wir schon die Posts von Mentoren und Teilnehmern lesen durften, sind auch bei uns einige Gedanken aufgekommen.

Das Konzept

Seit 2012 führen wir Lean Startup Machine München mit ebenso großer Vorfreude in unserem Jahreskalender wie das Oktoberfest. Als Mentor beim ersten Event hat uns das Format gleich begeistert! „Get out of the building“ zum Leben erweckt: Landing Pages? Unbedingt, aber später! Prototypen testen? Ja, nur bloß nicht zuerst! Um maximales Lernen mit dem geringsten Aufwand zu schaffen, ist das erste Experiment bei Lean Startup Machine ein Interview, das die „Customer-Problem“ Hypothese überprüfen soll. Vereinfacht gesagt, müssen die Teilnehmer formulieren wer ihre Kunden sind, und warum diese an ihrem neuen Angebot interessiert sein werden, ohne das Angebot zu erwähnen. Tatsächlich ist dies ein wesentlicher Kernpunkt von Innovation: Wer nicht weiß, wer die eigenen Kunden sein werden und welcher Bedarf sie zur eigenen Lösung bewegt, der kann weder sein Produkt auf diese Kunden abstimmen, noch erfolgreich den Vertrieb skalieren.

Innovation für Alle!

Eine bemerkenswerte Besonderheit von Lean Startup Machine liegt im Veranstaltungsformat. An einem Wochenende werden Teilnehmer aus allen möglichen Herkunftsgruppen in einen teilweise atemberaubenden kooperativen Wettbewerb gebracht, während gleichzeitig wesentliche Konzepte von Lean Startup für jedermann verständlich vermittelt werden. Die Teilnehmer sind grundverschieden – es finden sich Studenten, Startups, Professionals aus Produkt und Marketing, Führungskräfte und Unternehmer genauso wie ausgebildete Physiotherapeuten, Musiker oder Handwerker. Sie alle eint, dass sie eine eigene Idee haben oder gemeinsam mit anderen Ideen verwirklichen möchten. So ist die Veranstaltung denn auch ein hybrides Wesen: Ein Wettbewerb, ein Event und ein Seminar aber auch ein Härtetest für Ideen, Kreativität und Ausdauer der Teilnehmer.

Stop Discussing, Start Testing!

Seit 2012 sehen wir nach dem Wochenende folgendes Bild: Ein paar Teilnehmer haben aufgegeben und ein oder zwei Teams halten alles für Unfug. Aber die große Mehrheit der Teilnehmer hat eine neue Sichtweise darauf bekommen, wie man mit Ideen umgehen sollte und verlassen dieses Wochenende mit veränderter Denkweise. Die Kernerkenntnis ist meist so etwas wie: „Irgendwann hörten wir endlich auf zu diskutieren und merkten, dass wir selbst mit einfachen Methoden sehr schnell mit Kunden lernen konnten, was wirklich wichtig ist.“

Vier Jahre Evolution mit #leanmunich – Mia san lean!

Seit dem ersten Event in 2012 hat sich Lean Startup Machine in München qualitativ kontinuierlich weiterentwickelt. Durch die durchgängige gegenseitige Befruchtung von Lean Startup MACHINE und Lean Startup MEETUP in München haben sich beide Veranstaltungen bereichert: Gewinner des LSM Wochenendes referieren auf dem Meetup, interessierte Meetup-Mitglieder können die Methode am Machine-Wochenende mal so richtig ausprobieren und die erfahrenen Anwender aus der Meetup-Gruppe bilden inzwischen eine Mentoren-Gruppe, deren fachliche Qualität die Veranstaltung weiter aufgewertet hat.

Das Engagement der Mentoren ist dabei besonders bemerkenswert, weil diese ihre Tätigkeit unentgeltlich wahrnehmen. Aufgrund des unausgereiften Partnermodells des New Yorker Lizenzgebers gilt dies übrigens ähnlich auch für uns Organisatoren.

Bereits 2012 haben wir Lean Startup Machine damit überrascht, wie schnell wir uns als Mentoren in das Konzept eingefühlt und es weitergetrieben haben. Ein Mentor, der einfach mit dem Team auf die Straße geht, um es perfekt zu coachen? Damals verrückt, jetzt eine akzeptierte LSM-Best Practice.

Besonderheiten 2015

Die Location bei Payback war großartig! So viel Platz hatten wir noch nie und vielleicht war das auch der Platz für Ideen – denn die Zahl der Pitches war schier endlos. Hut ab, Jahrgang 2015!

Der perfekte Lean Startup Workshop?

Bei so viel positiven Äußerungen zwingt sich die Frage auf: Ist es der perfekte Lean Startup Workshop? Für den Anfänger auf jeden Fall. Aber es ist erst der Einstieg und auch nur der Einstieg. Wie jedes Angebot ist auch dieses Lean Startup Angebot im Verhältnis zur Zielgruppe zu bewerten. Und dieser Event ist ein Event für den „Breitensport“, wenn ich das so formulieren darf. Seine Effektivität liegt in der Vereinfachung, die es ermöglicht, dass eine so breite Zielgruppe angesprochen werden kann. Für den längerfristigen Einsatz reicht die Methodik über das Wochenende jedoch nicht aus.

Beispielhaft dafür möchte ich vier Punkte nennen:

  1. Manches ist zu stark vereinfacht. Die Kundengruppe und deren Motiv müssen in je einem Post-It auf den Punkt gebracht werden. Für den ersten Schritt eines Teams reicht dieser Ansatz aus. In der weiteren Arbeit müssen das Segment und sein Motive letztlich differenzierter betrachtet werden.
  2. Lean Startup Machine fördert eine gewisse Wegwerfmentalität. Wer bei zwei Experimenten in Folge scheitert, hat am Wochenende einen hohen Druck, opportunistisch verfrüht in eine andere Richtung zu wechseln. Ausdauer wird tendenziell bestraft, was in realen Situationen wesentliche Chancen für Innovation verbaut.
  3. Die Fachvorträge werden zu festen Zeitpunkten gehalten und können sich nicht am Tempo oder besonderer Situationen der Teams orientieren. Wer seine Kundengruppe also etwas mühsamer erreicht, verliert schnell den Anschluss.
  4. Das Wochenende zeigt nur die allererste Phase der Ideenprüfung. Tatsächlich geht es Lean Startup aber darum, funktionierende Geschäftsmodell zu identifizieren und systematisch auszubauen. Dieser Teil wird vom Wochenende gar nicht abgedeckt.

Wer also von Lean Startup Machine mit dem „Lean Virus“ infiziert wurde, dem empfehle ich auf jeden Fall, sich weiter in den Kaninchenbau hinein zu begeben. Sei es durch Fachliteratur (seid vorsichtig mit deutschen Übersetzungen), Teilnahme an lokalen Treffen wie dem Lean Startup Meetup München oder im Idealfall durch Trainings und Coachings von erfahrenen Anwendern.

Welchen Weg Ihr auch immer wählt – wir wünschen Euch eine spannende Reise und viel Freude mit hoffentlich messbar besseren Resultaten.

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